Zivile Leichensuche im Unglücksfall

Zivile Leichensuche im Unglücksfall

Zivile Leichensuche im Unglücksfall: Zwischen Menschlichkeit und professioneller Distanz

Wenn Naturgewalten zuschlagen oder technische Katastrophen geschehen, richtet sich die öffentliche Aufmerksamkeit zumeist auf die Rettung Überlebender. Weniger sichtbar, aber ebenso bedeutsam ist die würdige Bergung der Verstorbenen. Die zivile Leichensuche im Rahmen der Unglücks- und Katastrophenhilfe ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die technisches Können, psychische Stabilität und tiefes ethisches Bewusstsein vereint. In diesem Feld spielen speziell ausgebildete Leichenspürhunde eine unersetzliche Rolle.

Die Besonderheit der zivilen Leichensuche

Anders als in der Forensik oder bei polizeilichen Ermittlungen geht es bei der zivilen Katastrophenhilfe nicht um die Aufklärung von Straftaten, sondern um die systematische Suche nach Verstorbenen nach Naturkatastrophen, Großunglücken wie Zugentgleisungen oder Gebäudeeinstürzen, aber auch nach Überschwemmungen oder Bränden. Die Herausforderung liegt in der oft unstrukturierten Umgebung, der Größe des Suchgebiets und der Notwendigkeit, schnell und dennoch gründlich zu arbeiten. Für die Angehörigen bedeutet jede geborgene Person einen Schritt zur Gewissheit und damit zur Trauerarbeit. Für die Helfer ist es eine emotional belastende, aber notwendige Arbeit im Spannungsfeld zwischen Effizienz und Pietät.

Ausbildung von Leichenspürhunden: Ein hochspezialisierter Prozess

Die Ausbildung eines Leichenspürhundes unterscheidet sich grundlegend von der eines Rettungshundes. Während letzterer auf Lebendgeruch trainiert wird, muss der Leichenspürhund die flüchtigen organischen Verbindungen erkennen, die bei der Zersetzung menschlichen Gewebes entstehen. Dazu gehören Putrescin, Cadaverin und andere biogene Amine. Die Ausbildung beginnt mit positiv konditionierten Geruchsquellen: synthetischen Trainingshilfen, später echten Gewebeproben, die ethisch einwandfrei gewonnen wurden.

Ein ausgebildeter Leichenspürhund kann Leichengeruch über mehrere Meter Bodenbedeckung hinweg orten, unter Trümmerschichten, in aufgestautem Wasser oder in luftigen Hohlräumen. Die Hunde arbeiten dabei nicht visuell, sondern rein olfaktorisch – sie erspüren buchstäblich, was das menschliche Auge nicht sehen kann. Die Ausbildung dauert je nach Rasse und Eignung zwischen 18 und 24 Monaten und umfasst auch die Unterscheidbarkeit von Tierleichen sowie die Standfestigkeit gegenüber Ablenkungen.

Einsatzszenarien und Zusammenarbeit mit dem Menschen

Im Katastrophenfall arbeitet der Hundeführer als Team mit seinem Tier. Während der Hund die Spurensuche übernimmt, beobachtet der Führer die Verhaltensänderungen des Hundes: ein verstärktes Schnüffeln, ein plötzliches Innehalten, ein vorsichtiges Zurückweichen oder das typische „Anzeigen“ durch Ablegen oder Bellen. Der Führer muss die Signale seines Hundes präzise deuten können – Fehlalarme sind selten, aber möglich, etwa bei starken Verwesungsgerüchen von Tierkadavern.

Die praktische Suche folgt einem Rastersystem. Das Team durchkämmt das Unglücksgebiet systematisch, oft über Stunden hinweg. Bei Gebäudeeinstürzen werden die Hunde in speziellen Geschirren auch über Schutthügel geführt. Nach einer Flutkatastrophe können sie von Booten aus Uferzonen absuchen. Die körperliche Belastung für Hund und Mensch ist enorm – sie arbeiten oft bei Hitze, Kälte, Nässe und in gefährlicher Umgebung.

Psychologische und ethische Dimensionen

Der Einsatz von Leichenspürhunden ist nicht nur eine technische, sondern auch eine zutiefst menschliche Angelegenheit. Die Hunde selbst scheinen zu begreifen, dass sie keine Lebenden mehr suchen. Viele Hundeführer berichten von einer spürbaren Verhaltensänderung ihrer Tiere bei Leichenfunden: weniger aufgeregtes Bellen, eher ein stilles Verharren. Ob dies tatsächlich ein Verständnis des Todes ist oder nur eine Reaktion auf die fehlende Rückmeldung des „Spielzeugs“ – die Erfahrung bleibt ergreifend.

Für die Hundeführer selbst ist die Arbeit eine psychische Herausforderung. Sie sind regelmäßig mit dem Tod konfrontiert, mit verstümmelten Körpern, mit der Tragödie von Kindern und alten Menschen. Seriöse Hilfsorganisationen bieten daher obligatorische Nachbesprechungen und psychosoziale Unterstützung an. Zugleich empfinden viele Hundeführer ihre Tätigkeit als tiefe Erfüllung: Sie geben den Toten ein Gesicht zurück und den Angehörigen eine letzte Gewissheit.

Grenzen und Zukunftsperspektiven

Trotz ihrer beeindruckenden Fähigkeiten haben Leichenspürhunde Grenzen. Extreme Hitze oder Kälte beeinträchtigen ihre Geruchswahrnehmung, starke Fremdgerüche wie Chemikalien oder Brandrückstände können die Suche erschweren. Zudem können Hunde nicht rund um die Uhr arbeiten – ihre Konzentrationsspanne liegt bei etwa 30 bis 45 Minuten, bevor sie Pausen brauchen.

Die Forschung arbeitet daher an technischen Ergänzungen, etwa elektronischen Nasen oder Bodenradaren. Doch bisher übertrifft kein Gerät die Sensitivität und vor allem die Mobilität und Entscheidungsfähigkeit eines ausgebildeten Hundes. Die Zukunft liegt in der Hybridlösung: Hunde als erste, schnelle Suchkomponente, ergänzt durch technische Verifikation.

Schlussgedanke

Die zivile Leichensuche mit Hunden ist ein stiller, oft übersehener Dienst am Nächsten. In einer Welt, die den Tod gerne ausblendet, stellen sich diese Teams dem Unfassbaren – nicht aus Sensationslust, sondern aus Pflichtgefühl und Menschlichkeit. Sie erinnern uns daran, dass Katastrophenhilfe nicht endet, wenn die letzten Lebenden gerettet sind. Sie endet, wenn jeder Vermisste gefunden ist, wenn jede Familie Gewissheit hat, wenn die Würde des Menschen bis zuletzt gewahrt bleibt. Der Leichenspürhund, dieses erstaunliche Geschöpf mit seiner empfindlichen Nase und seinem unbeirrbaren Willen zu gefallen, ist dabei mehr als ein Werkzeug. Er ist ein stiller Zeuge unserer Verantwortung für die Toten – und damit für uns selbst. (©️bu)

Teambuilding für Kind und Hund

Teambuilding für Kind und Hund: Wie die jüngsten Familienmitglieder sich aneinander gewöhnen

Es ist eine Traumvorstellung vieler Eltern: Hund und Kind bilden ein vertrautes Team und meistern den Alltag gemeinsam. Grundlegende Voraussetzung dafür ist, dass der Kontakt zwischen Vier- und Zweibeiner pädagogisch begleitet wird. Denn Hunde finden so manche kindliche Annäherung übergriffig – und Kinder müssen erst lernen, die feinen Signale ihres Gegenübers zu verstehen. Mit guter Planung, klaren Regeln und viel Geduld kann aber eine Beziehung entstehen, die ein Tierleben lang hält.

Das eingespielte Duo aus Kind und Hund entsteht nicht über Nacht, sondern entwickelt sich mit jeder positiven gemeinsamen Erfahrung. Die Erwachsenen haben dabei die Verantwortung, beide Seiten zu schützen und anzuleiten. Diese Mühe wird sich langfristig lohnen: „Kinder lernen durch Hunde Rücksichtnahme und Empathie“, sagt Dr. Barbara Schöning, Erste Vorsitzende der Gesellschaft für Tierverhaltensmedizin und -therapie e. V. (GTVMT). „Und Hunde profitieren von klaren Strukturen und die meisten genießen Aufmerksamkeit – eine echte Win-win-Situation.“

Tipp 1: Guten Umgang mit Hunden vorleben

Wenn Kinder einen Hund streicheln möchten, sollten Erwachsene die Situation aktiv begleiten – egal, ob es sich um den eigenen Familienhund oder ein Tier handelt, das man unterwegs trifft. Die Erwachsenen müssen darauf achten, dass beide in einem sicheren Umfeld sind. Wichtig ist, dass der Hund jederzeit ausweichen kann und nicht festgehalten oder bedrängt wird. Kinder lernen das am besten durch Vorleben: Ruhige Bewegungen, leise Stimmen und ein respektvoller Abstand geben dem Hund Sicherheit. Idealerweise nähert man sich seitlich und lässt den Vierbeiner entscheiden, ob er Kontakt aufnehmen möchte. „Ein Hund sollte niemals zum Kontakt gezwungen werden – weder durch Erwachsene noch durch Kinder“, betont auch Dr. Schöning. „Freiwilligkeit und Respekt für individuelle Grenzen sind die Grundlagen für Vertrauen.“

Tipp 2: Klare Regeln aufstellen, die Kinder umsetzen können

Kinder profitieren von einfachen Anleitungen, die sie über einige Wiederholungen lernen und verinnerlichen. Dazu gehört zum Beispiel, den Hund erst zu fragen, ob er gerade Kontakt möchte. Das kann verbal funktionieren, oder auch still und leise, indem man ruhig die Hand hinhält. Zudem sollte das Kind lernen, den Hund seitlich an Schulter oder Brust zu streicheln und nicht von oben über den Kopf zu greifen. Ist der Vierbeiner gerade beim Fressen, Schlafen oder zieht sich zurück, sollte er in Ruhe gelassen werden.

Regeln wie diese helfen nicht nur den Kindern zu lernen, wie sie Verantwortung für ihr Handeln übernehmen können, sondern geben dem Hund auch Orientierung im Alltag.

Tipp 3: Hundesprache für das Kind übersetzen

Hunde kommunizieren überwiegend über Körpersprache – und diese sollten Kinder lesen lernen. „Fühlt der Hund sich wohl, zeigt sich das etwa durch eine lockere Körperhaltung, entspannte Gesichtszüge und eventuell leichtes Wedeln mit der Rute. Bleibt er freiwillig in der Nähe oder sucht sogar selbst Kontakt, ist das ebenfalls ein gutes Zeichen“, erklärt die Expertin.

Stress und Unbehagen zeigen sich dagegen subtiler. „Mal wendet der Hund den Kopf ab, wirkt angespannt oder leckt sich häufig über die Schnauze. Aber auch scheinbar entspannte Gesten wie auffälliges Gähnen können ein Stresssignal sein. Entscheidend ist immer, die gesamte Körpersprache zu beachten, um die Situation einzuordnen“, sagt Dr. Schöning. Klare Stoppsignale sind beispielsweise ein eingezogener Schwanz oder wenn der Hund versucht, sich aus der Situation zurückzuziehen. Auch gut sozialisierte Hunde brauchen ihre Pausen und Rückzugsorte, die für Kinder tabu sind.

Tipp 4: Hunde behutsam an Kinderhände gewöhnen

Kinder müssen das richtige Streicheln erst lernen. Insbesondere Babys und Kleinkinder berühren oft unkoordiniert, greifen also zu fest zu oder bewegen sich ruckartig. Um Hunde darauf vorzubereiten, empfiehlt sich ein schrittweises Training in ruhiger Umgebung. Kurze Übungseinheiten helfen, Vertrauen aufzubauen. So können Erwachsene zum Beispiel selbst zunächst sanftere und dann etwas ungeschicktere Berührungen simulieren und den Hund dafür belohnen, wenn er ruhig bleibt.

Hilfreich ist zudem, Berührungen durch das Kind mit Positivem zu verknüpfen, etwa einem Leckerli oder ruhigen, freundlichen Worten. Dabei sollte man aber darauf achten, dass der Hund zum Beispiel durch das Leckerli nicht zu hektisch und aufgeregt wird. So lernt er, dass Nähe zu Kindern nichts Bedrohliches ist. IVH

Zecken? Ganzjährig ein Thema!

Zecken? Ganzjährig ein Thema!

Zecken? Ganzjährig ein Thema!

ots - Ob Joggingrunde oder Spaziergang mit dem Hund im Februar, im Sommer oder im Spätherbst: Zecken machen längst keine Winterpause mehr. Genau deshalb gilt heute mehr denn je: Konsequente Zeckenprophylaxe aus der Tierarztpraxis und tägliches Absuchen der Tiere gehören zur festen Routine. Wer hier frühzeitig handelt, schützt seinen Hund nicht nur vor lästigen Stichen, sondern reduziert auch das Risiko schwerer, teils lebensbedrohlicher Erkrankungen wie der Babesiose.

Milde Winter und lange Übergangszeiten sorgen dafür, dass Zecken heutzutage ganzjährig aktiv sind, bereits ab etwa +7 °C - manche Arten sogar bei Frost. Besonders die kältetolerante Auwald- oder Wiesenzecke breitet sich seit Jahren stark aus und ist inzwischen in vielen Regionen Deutschlands nachgewiesen, auch im Norden. Mit ihr steigt das Risiko für Babesiose, eine durch Blutparasiten (Babesien) ausgelöste Erkrankung, die früher als klassische Reiseerkrankung galt und heute als in Deutschland heimisch gilt.

Umso wichtiger ist ein wirksamer Zeckenschutz, der Zecken bereits vor dem Stich fernhält oder nach dem Anheften schnell und sicher abtötet, bevor die Erreger übertragen werden. Unbehandelt kann Babesiose zu Fieber, Blutarmut, Mattigkeit und schweren Organschäden führen. Eine frühe Diagnostik in der Tierarztpraxis verbessert die Heilungschancen deutlich.

Für den Zeckenschutz stehen verschiedene Präparate zur Verfügung - etwa Spot-ons, Halsbänder, Tabletten oder Injektionen. Die Wirkdauer reicht von einigen Wochen bis zu einem Jahr. Entscheidend ist, das passende Produkt gemeinsam mit der Tierärztin oder dem Tierarzt auszuwählen und es regelmäßig anzuwenden. Die meisten Mittel schützen zusätzlich auch vor Flöhen, was besonders für aktive Tiere ein Plus ist.

Trotz Zecken-Prophylaxe sollte der Hund täglich kontrolliert werden - besonders an Kopf, Ohren, Hals, Achseln, Bauch, Leisten und zwischen den Zehen. Wird eine Zecke entdeckt, gilt: schnell und korrekt entfernen, nicht quetschen oder drehen und die Stelle desinfizieren. Zeigt das Tier Fieber, Mattigkeit oder Lahmheit, ist eine tierärztliche Abklärung wichtig.

Zecken sind ein ganzjähriges Risiko. Wer auf tierärztlich empfohlene Prophylaxe setzt und sein Tier regelmäßig absucht, schützt aktiv vor Babesiose und anderen zeckenübertragenen Erkrankungen.

(Quelle: Bundesverband für Tiergesundheit e.V.)

Der Gassi-Knigge

Gassi-Knigge: Verhaltenstipps für die Begegnung mit fremden Hunden

Wenn sich zwei Hundehalter auf den Gassirunden mit ihren Vierbeinern begegnen und diese ihr Gegenüber noch nicht kennen, ist erhöhte Aufmerksamkeit gefragt: Dürfen sich die Hunde beschnuppern und begrüßen? Was ist, wenn nur einer an der Leine ist? Was bedeutet es, wenn einer der Hunde eine gelbe Schleife trägt? Für einen respektvollen Umgang miteinander gibt es ein paar Grundregeln, wie sich Hundehalter verhalten sollten.

Rücksichtnahme, Aufmerksamkeit und ein freundlicher Umgang – das sind ein paar der Grundprinzipien, mit denen Menschen gut mit anderen Menschen auskommen. Hundehalter haben darüber hinaus die Verantwortung für ihren Vierbeiner. Gerade wenn sich zwei Halter mit ihren Hunden begegnen und noch nicht kennen, ist unklar, ob die Tiere sich verstehen werden. Hundetrainerin und Autorin mehrerer Bücher zur Hundeerziehung Sabine Winkler weiß, welche Grundsätze man in dieser Situation beachten sollte.

Wie verhalte ich mich, wenn der andere Hund angeleint ist? „Wenn der andere Hund angeleint ist oder sein Besitzer ihn offensichtlich zu sich ruft und bei sich behält, dann sollte ich mit meinem Hund genauso verfahren“, erklärt die Hundetrainerin. „In dem Fall sollten Halter ihren Hund also immer zu sich rufen und kontrollieren, zum Beispiel durch anleinen. Dann kann man gegebenenfalls fragen, ob ein Kontakt okay ist.“ Der eigene Hund sollte demnach also nicht eigenständig herumlaufen oder gar auf den anderen zustürmen. Und Kontakt sollte niemals ungefragt gesucht werden.

Für das Ansprechen des anderen Halters hat Winkler noch einen zusätzlichen Tipp: „Wünsche sollte man selbst immer freundlich in Ich-Botschaften äußern, also klarmachen, was man für sich selbst nicht möchte. Deswegen sagt man besser ‚Bitte lassen Sie Ihren Hund nicht an meinen ran‘ anstatt dem Gegenüber etwas vorzuschreiben wie ‚Nehmen Sie Ihren Hund an die Leine!‘“

Ein weiterer Grundsatz ist für die Trainerin, die Wünsche des anderen Hundehalters zu respektieren, wenn der zum Beispiel keinen Kontakt wünscht: „Das kann viele Gründe haben: Er will mit seinem Hund trainieren, der Hund ist krank, alt oder etwa taub oder blind. Vielleicht verträgt er sich auch nicht mit Artgenossen, wird etwa aggressiv oder hat Angst.“

In dem Fall bringt es nichts, einen Kontakt doch irgendwie zu erzwingen oder sein Gegenüber zu belehren. Stattdessen sollte man dann ein paar Meter Abstand halten und weitergehen. „Empfehlenswert ist es, den Blickkontakt des eigenen Hundes dabei zu steuern, etwa mit Leckerchen oder indem man ihn anspricht. Wenn Hunde sich gegenseitig anstarren, kann das schnell als Drohung aufgefasst werden. Weggucken gilt unter Hunden dagegen eher als höflich und deeskalierend“, ergänzt die Expertin.

Die ersten Anzeichen, wenn kein Kontakt gewünscht ist, sind hin und wieder bereits von Weitem zu erkennen, bevor man überhaupt in Sprechreichweite zum Fragen ist. Viele Halter wechseln dann schon frühzeitig die Straßenseite oder versuchen anderweitig auszuweichen. Zudem sollen etwa Erkennungszeichen etabliert werden, die den Wunsch auf Abstand schon auf Distanz vermitteln sollen, beispielsweise über eine Schleife an Halsband, Geschirr oder Leine des Hundes.

Wohl am prominentesten wurde 2012 in Schweden das Gulahund Yellowdog Program gestartet, das mittlerweile in über zehn Ländern verbreitet ist. Eine gelbe Schleife an der Leine oder ein gelbes Halstuch signalisieren dabei schon auf Blickdistanz, dass Abstand gewünscht wird. „Die Gründe für dieses Signal sind recht vielfältig. Es kann sich um ängstliche, unsichere oder traumatisierte Hunde, beispielsweise aus dem Tierschutz handeln. Vielleicht ist der Hund auch krank, in Reha oder frisch operiert“, beschreibt Ramona Noack die individuellen Gründe. Sie ist Vorsitzende des Vereins Gelber Hund und Freunde e.V., dem deutschen Ableger des Gulahund-Programms. Da aber längst nicht alle Menschen und auch nicht alle Hundehalter über die Bedeutung der gelben Schleifen Bescheid wissen, sollte man im Zweifel immer höflich darauf hinweisen, dass man für seinen Hund gerade keinen Kontakt wünscht, wenn sich doch jemand nähert. Mehr Informationen zu Hintergründen und Geschichte des Programms finden Interessierte auf www.gulahund.de. IVH

Mensch-Hund-Team für tiergestützte Intervention

Mensch-Hund-Team für tiergestützte Intervention

Ausbildung „Mensch-Hund-Team für tiergestützte Interventionen“ erfolgreich abgeschlossen

Zum Jahreswechsel endete die aktuelle Ausbildung zum „Mensch-Hund-Team für tiergestützte Interventionen“ – ein bedeutender Meilenstein für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie ihre vierbeinigen Partner.

Die sechsmonatige Qualifizierung ist von der ISAAT akkreditiert und von der AASI zertifiziert – zwei international anerkannten Fachorganisationen, die höchste Qualitätsstandards in der tiergestützten Arbeit garantieren. Entsprechend anspruchsvoll gestaltet sich die Ausbildung, in der sowohl theoretische Grundlagen als auch umfangreiche praktische Einheiten vermittelt werden.

Die angehenden Mensch-Hund-Teams erlernen unter anderem: • Grundlagen der Tiergestützten Intervention (TGI) • Ethologie, Stresssignale und Wohlbefinden des Hundes • Hygiene- und Sicherheitskonzepte • Methodik für Einsätze in Schulen, Pflegeeinrichtungen, Kliniken und sozialen Einrichtungen • Praxisübungen zur Teamarbeit, Kommunikation und Einsatzplanung

Ziel der Ausbildung ist es, Menschen in pädagogischen, therapeutischen oder sozialen Kontexten mithilfe gut ausgebildeter Hunde zu unterstützen – sei es bei der Förderung motorischer Fähigkeiten, der Stärkung emotionaler Kompetenzen oder der Aktivierung älterer Menschen.

Am Abschlusstag präsentieren die frisch zertifizierten Teams ihr erworbenes Wissen und ihre praktische Einsatzfähigkeit. Für viele von ihnen beginnt nun der Einstieg in eine verantwortungsvolle Tätigkeit, die Mensch und Hund gleichermaßen fordert wie bereichert.

Das Mentoren- und Dozententeam zeigen sich stolz auf die hohe Motivation und Professionalität der diesjährigen Absolventinnen und Absolventen. Auch die beteiligten Hunde glänzten mit bemerkenswerter Arbeitsfreude und Gelassenheit.

Mit dem Abschluss der Ausbildung wird die Region um eine Gruppe qualifizierter Mensch-Hund-Teams bereichert, die künftig wertvolle Arbeit in der tiergestützten Intervention leisten werden.

Folgende Teams haben die Ausbildung erfolgreich beendet: Ulrike Bauer-Trolp (Lichtenfels), Kia Breuer (Nürnberg), Andrea Rexhäuser (Steinach/Thür.), Jasmin Prang (Meiningen), Natalia Bauer (Lichtenfels), Christiane Geiger (Schalkau), Eva Konrad (Kronach), Karin Brem (Marktleuthen), Daniela Schindler (Thierstein), Kerstin Niermann (Weidach), Eva Bayer (Kronach) und Marina Pompe (Kronach).

Von Grasfressen bis Schlammwälzen

Von Grasfressen bis Schlammwälzen:

In der langen Zeit, die Hunde und Menschen schon zusammenleben, haben sich die meisten Menschen ein gewisses Grundverständnis für das Verhalten der Tiere angeeignet. Manchmal kommt aber doch Unsicherheit auf: Ist es normal, dass der Hund Gras frisst oder sich im Schlamm wälzt? Ab wann sollte das untersucht werden? Und was kann ich als Halter dagegen tun?

Wann verhält sich ein Hund normal und wann ist sein Verhalten auffällig? Tierärztin Dr. Daphne Ketter, Inhaberin der Tierarztpraxis für Verhaltensmedizin „Tierverhalten München“, sagt: „Wenn wir uns diese Frage stellen, denken wir oft an Verhaltensweisen, die zum Normalverhalten gehören, aber für uns Menschen ein Problem darstellen. Je nach Erfahrungen und Rasse zeigen Hunde etwa ein mehr oder weniger ausgeprägtes Jagdverhalten und müssen entsprechend kontrolliert werden oder sie zeigen in anderen Situationen zum Beispiel laut bellend, dass sie Angst haben. Auch aggressives Verhalten gehört zum Normalverhalten des Hundes und dient der Kommunikation. Aggressivität und ‚Gefährlichkeit‘ sind jedoch nicht gleichzusetzen. Das Hund-Halter-Team spielt bei der Beurteilung der Gefährlichkeit eine bedeutende Rolle.“ Bedenken sollte man zudem immer, dass Hunde sich auch bei verschiedenen Personen unterschiedlich verhalten können. Während der Vierbeiner sich an der einen Person orientiert, bekommt oder nutzt er bei der anderen vielleicht mehr Freiheiten.

Dem gegenüber verortet die Expertin krankhafte Störungen, die unbedingt untersucht werden sollten: „Dann ist ein Hund so beeinträchtigt, dass er kein Normalverhalten mehr in bestimmten Situationen zeigt. Sehr bekannt ist das zwanghafte Schwanzjagen, was viele leider als lustig wahrnehmen, oder aber beispielsweise eine generalisierte Angststörung. Dann ist das Tier eventuell gar nicht mehr abrufbar und weigert sich mitunter sogar, vor die Tür zu gehen.“

Warum genau Hunde sich so gerne in Schlamm oder stinkenden Überresten und Hinterlassenschaften anderer Tiere wälzen, ist noch nicht endgültig geklärt. „Man kann da bisher wirklich nur von verschiedenen Meinungen sprechen. Sich in etwas Starkriechendem zu wälzen, könnte bedeuten, dass die Hunde den eigenen Geruch übertünchen wollen, damit sie nicht von ihrer etwaigen Beute wahrgenommen werden. Die Forscherin Pat Goodman hat unter anderem das Geruchswälzen bei Wölfen untersucht und ist der Meinung, dass es dazu dienen könnte, Informationen über die Umgebung auf diese Art dem Rudel mitzuteilen“, erklärt Dr. Ketter. Weitere Erklärungsansätze wären, damit einen Juckreiz zu lindern oder schlicht und einfach Spaß, sich in etwas herumzurollen.

Das Verhalten ist also nicht ungewöhnlich – durch den Schmutz und den unangenehmen Geruch wollen es viele Halter dennoch vermeiden. Am einfachsten ist das, indem man für die Gassirunde Wege wählt, die wenig Chancen zum Wälzen bieten oder indem der Hund über Leine oder Rückruf kontrolliert wird. Hat er sich doch einmal in einer Pfütze ausgetobt, sollten Halter das Fell vorsichtig mit geeigneten Mitteln reinigen. Besonders Schlamm, der schon verhärtet ist, sollte dabei eingeweicht und behutsam entfernt werden.

Hier gilt ebenfalls: Warum genau Hunde Gras fressen, ist noch nicht eindeutig beantwortet. Die einen vermuten darin eine Möglichkeit, etwas Wasser aufzunehmen, andere eine Unterstützung bei der Verdauung. Es kann auch als Schutz vor Fremdkörpern dienen, weil es den Hunden hilft, sich zu erbrechen.

„Wenn ein Hund mal ein bisschen Gras frisst, ist das also nicht schlimm. Wenn es aber sehr viel wird oder er sogar fordert, extra dafür in den Garten gelassen zu werden, dann sollte man das unbedingt untersuchen lassen. Das kann sowohl etwas Organisches sein, wenn zum Beispiel ein Fremdkörper verschluckt wurde, oder aber psychische Gründe haben“, sagt die Tierverhaltensmedizinerin.

Obwohl dieses Verhalten grundsätzlich nicht schädlich ist, sollten Halter auf ein paar Dinge achten. Beispielsweise sollte der Hund regelmäßig entwurmt werden. Und man sollte bei der Gassirunde Wiesen und Äcker vermeiden, auf denen Pestizide eingesetzt werden oder für den Hund giftige Pflanzen wachsen.

„Auch Knurren wird immer wieder mal falsch eingeschätzt. Das sollte man unter keinen Umständen versuchen abzutrainieren, weil es ein wichtiges Kommunikationsmittel für den Hund ist“, erklärt Dr. Ketter. Knurrt ein Hund allerdings nicht nur in einer einzelnen Situation, sondern ist dies an der Tagesordnung, sollten sich Halter Unterstützung bei Verhaltensspezialisten oder Hundetrainern suchen, um der Ursache auf den Grund zu gehen.

Das sind natürlich nur einige wenige Beispiele für Verhaltensweisen, welche Hundebesitzer nicht immer sicher einschätzen können. Grundsätzlich gilt: Wenn beim eigenen Hund ein auf den ersten Blick merkwürdiges Verhalten auffällt, das er bisher nicht gezeigt hat, dann kann man das immer auch beim nächsten Tierarztbesuch ansprechen und eine Experteneinschätzung einholen. Darüber hinaus gibt es verschiedene Übersichten zu Hundeschulen und Verhaltensberatungen. Eine solche Übersicht bietet unter anderem etwa der BHV – Berufsverband der Hundeerzieher/innen und Verhaltensberater/innen e.V. auf seiner Website. IVH